Am 14. Dezember 2025 gestaltete alphorn.berlin gemeinsam mit der Berliner Liedertafel ein besonderes Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz. Schon mit den ersten Alphornklängen wurde deutlich, dass dieses Instrument den Raum nicht nur füllt, sondern formt – mit Weite, Tiefe und einer archaischen Präsenz, die unmittelbar wirkt.
Auf den ersten Blick mag die Verbindung von Alphorn und Männerchor ungewöhnlich erscheinen. Doch alphorn.berlin zeigt immer wieder, wie selbstverständlich sich unterschiedliche Klangwelten verbinden lassen, wenn sie mit musikalischem Gespür, Offenheit und Erfahrung arrangiert werden. Unter der Leitung unseres Komponisten und Dirigenten Andreas Frey entfalteten die Alphörner ihre ganze Ausdruckskraft: mal kraftvoll und raumgreifend, mal ruhig und beinahe schwebend, stets getragen von einer besonderen Spannung, die den Kirchenraum in Schwingung versetzte.
Die Berliner Liedertafel wurde von Vincent Sebastian Jaufmann dirigiert, unterstützt wurde die Vorbereitung von Stimmbildnerin Sigrid Höhne-Friedrich. Gemeinsam mit den Alphörnern entstand ein Konzert, das neue Hörperspektiven eröffnete und die besondere Akustik der Gedächtniskirche eindrucksvoll nutzte.
Der stimmungsvolle Auftakt gehörte dem Männerchor, dessen Begrüßungslied aus dem Hintergrund in den abgedunkelten Kirchenraum hineinklang. Das blaue Licht der markanten Glasfenster schuf eine feierliche, beinahe meditative Atmosphäre – ein Raum, in dem die Alphörner später ihre volle Wirkung entfalten konnten.
Zwischen den Chorwerken rückten die Alphörner immer wieder in den Mittelpunkt. Sie zeigten die ganze Bandbreite des Naturton-Instruments: weite, ruhige Klangbögen, pulsierende Rhythmen und dialogisch angelegte Stücke wie die „Alpenländischen Ferngespräche“, in denen sich die Stimmen der Alphörner über den Raum hinweg antworteten. Wie beweglich und dynamisch das Alphorn sein kann, wurde besonders im „Norwegischen Alphorn-Rondo“ spürbar – ein Stück, das Tempo, Präzision und klangliche Leichtigkeit vereinte.
Das Repertoire der Berliner Liedertafel spannt einen weiten Bogen von klassischer und romantischer Chormusik bis hin zu modernen Werken, wobei an diesem Abend vor allem weihnachtliche Lieder im Mittelpunkt standen. Im dialogischen Zusammenspiel mit den Alphörnern zeigten sich dabei neue Klangfarben und überraschende Kontraste.
Der Abend in der Gedächtniskirche zeigte eindrucksvoll: Das Alphorn ist weit mehr als ein traditionelles Instrument. In der Verbindung mit dem Männerchor eröffnete es neue Klangräume und machte deutlich, dass musikalische Genre-Grenzen fließend sind – wenn sie mit Fingerspitzengefühl gestaltet werden.
Fotos: scottiberlin